Was bedeutet Low-Stress-Training?
Low-Stress-Training (kurz LST) ist eine kulturtechnische Methode, bei der Triebe sanft in Position gebracht und fixiert werden, ohne die Pflanze zu verletzen. Im Gegensatz zu Schneidetechniken wird die Struktur einer Pflanze nicht beschädigt, sondern lediglich in eine lichtoptimierte Form gebracht. Dadurch entsteht ein gleichmäßiges Kronendach, das die Photosynthese verbessert und das Wachstum aller Triebe harmonisiert.
Besonders empfindliche Genetiken, darunter viele Autoflowers, profitieren deutlich von dieser risikoarmen Trainingsform.
Inhalt
Warum LST? Die wichtigsten Vorteile auf einen Blick
1. Deutlich höhere Erträge
Durch das horizontale Führen des Haupttriebs erhalten nicht nur die oberen, sondern auch die unteren Bereiche mehr Licht. Typische Effekte:
kompaktere Pflanzenstruktur
kräftigere und homogenere Blüten
deutlich mehr Blütenstellen
Ertragssteigerungen von 20–40 % sind realistisch
Grower berichten regelmäßig davon, dass LST ohne große Eingriffe enorme Leistungsgewinne bringt, ganz besonders in Indoor-Setups.
2. Effizientere Lichtausnutzung
Eine geöffnete, flachere Pflanzenform sorgt dafür, dass die Lichtquelle deutlich besser genutzt wird. Dadurch verbessern sich:
Lichtpenetration bis in die unteren Bereiche
Energieversorgung aller Seitentriebe
Gleichmäßigkeit der Entwicklung
Gerade in Zelten oder Räumen mit begrenzter Fläche ist LST eine der effektivsten Maßnahmen, um die verfügbare Beleuchtung komplett auszuschöpfen.
3. Minimales Stresslevel: ideale Methode für empfindliche Sorten
Da beim LST keine Schnittwunden entstehen, kann die Pflanze sich extrem schnell erholen. Das bringt klare Vorteile:
kein Regenerationsstillstand
geringeres Risiko für Infektionen oder Schimmel
optimale Option für Autoflowers und sensible Strains
Autoflowers reagieren auf harte Eingriffe oft mit Wachstumsstopps. LST dagegen erlaubt eine sichere, kontrollierte Formgebung über den gesamten Zyklus.
LST richtig durchführen: Die praktische Anleitung
Der optimale Startzeitpunkt
Der ideale Zeitpunkt für den Beginn des Trainings ist erreicht, wenn:
4–6 kräftige Knotenpaare vorhanden sind
die Pflanze sich voll im vegetativen Wachstum befindet
die Triebe noch flexibel sind
bei Autoflowers sollte spätestens zwischen Woche 2 und 3 begonnen werden
Zu frühes oder zu spätes Training führt oft zu gebrochenen Trieben oder ungleichmäßigem Wachstum.
Was du für LST benötigst
Das nötige Equipment ist günstig und leicht verfügbar:
weiche Pflanzenbinder oder Gartendraht
Schnur oder Soft-Ties
Clips aus Gummi oder Silikon
Kabelbinder (für Outdoor am besten weiche Varianten)
Topf mit mehreren Fixierpunkten oder Löchern am Rand
optional: Soft-Clips für empfindliche Nebenäste
Alle Hilfsmittel sollten flexibel, weich und druckarm sein, damit keine Rindenverletzungen entstehen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Haupttrieb sanft anfassen
Greife den Leittrieb knapp unterhalb der Spitze, dort wo das Gewebe noch biegsam ist.
Schritt 2: Biegen mit Gefühl
Führe eine langsame, kontrollierte Biegung aus. Ein gleichmäßiger Druck verhindert Knicken oder Quetschungen.
Schritt 3: Fixieren
Befestige den gebogenen Trieb am äußeren Topfrand. Ziel ist eine horizontale oder leicht schräge Ausrichtung der Spitze.
Ergebnis:
Die unteren Triebe wachsen schneller nach oben, bilden eigene Hauptachsen und erzeugen später mehrere große Blütenstände.
Seitentriebe ausrichten: Das Feintuning
Sobald die jungen Seitentriebe an Höhe gewinnen, bindest du sie leicht auseinander. Das verbessert:
die Lichtverteilung über alle Blütenstandorte
Luftbewegung innerhalb der Pflanze
Stabilität während der Blüte
die Entwicklung kompakter, tragfähiger Buds
Diese kleine Anpassung verändert die gesamte Struktur und erzeugt ein kräftiges, ausgewogenes Wachstum.
LST oder doch HST? Wann welche Methode sinnvoll ist
LST kann grundsätzlich mit High-Stress-Training (z. B. Topping) kombiniert werden. Allerdings ist das nicht für alle Pflanzen geeignet.
Gute Kombination, wenn:
es sich um Photoperioden handelt
ausreichend Zeit für Wachstum vorhanden ist
der Grower Erfahrung mit Strukturtraining hat
große Flächen oder Outdoor-Beete genutzt werden
Nicht empfehlenswert, wenn:
es sich um Autoflowers handelt
die Pflanze noch sehr jung oder bereits verholzt ist
wenig Platz zur Verfügung steht
geringe Erfahrung mit Schnitttechniken vorliegt
LST allein reicht in den meisten Fällen aus, um robuste, ertragsstarke Pflanzen ganz ohne Verletzungen zu trainieren.
Fazit
Low-Stress-Training gehört zu den wirkungsvollsten und gleichzeitig schonendsten Methoden im modernen Cannabis-Anbau.
Es bietet:
verbesserte Lichtausnutzung
eine offene, stabile Pflanzenstruktur
kräftige Seitentriebe
deutlich höhere Erträge
minimalen Stress für die Pflanze
Ob Indoor, Outdoor, Autoflower oder Photosorte – LST ist universell einsetzbar und liefert in jedem Setup messbare Vorteile.
FAQ
Was ist Lichtstress?
Lichtstress entsteht, wenn die Pflanze über- oder unterbelichtet wird. Zu starkes Licht führt zu verbrannten Spitzen, zu wenig Licht zu schwachem Wachstum.
In welcher Woche sollte man LST durchführen?
Optimal ist Woche 2–4 der Wachstumsphase. Autoflowers benötigen einen früheren Start.
Wie viel Ertrag bringt LST wirklich?
Je nach Genetik und Setup sind 20–40 % Mehrertrag üblich. In einzelnen Fällen sogar deutlich mehr.
Was zählt als High Stress Training?
Techniken wie Topping, Fimming oder Supercropping, die aktiv Gewebe verletzen.
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